Good News des Tages: Wecke den Imker in dir

Johannes Giesler
Freier Autor
Es ist nur ein kleiner Kasten notwendig, den sich jeder auf den Balkon stellen kann - schon geht die Hobby-Imkerei von zuhause aus los. Foto: Symbolbild / gettyimages / bo1982

Sie ist die Galionsfigur des Umweltschutzes: die Biene. Denn sie ist knuffig, doch sie leidet auch besonders unter Lebensraumverlust durch Verstädterung und intensiver Landwirtschaft. Dabei ist sie eigentlich genügsam und braucht nicht viel: Ein kleiner Kasten auf dem Balkon reicht aus.

Über 1,7 Millionen Unterschriften in nur zwei Wochen: Diese Zahlen haben das „Volksbegehren Artenvielfalt – Rettet die Bienen!“ im Frühjahr 2019 zum erfolgreichsten Volksbegehren in der Geschichte des Bundeslandes Bayern gemacht. Fast jede oder jeder fünfte Wahlberechtigte im Freistaat hat sich daran beteiligt und anhand der Unterschrift gezeigt, dass die Politik dringend mehr zum Schutz der Tier- und Pflanzenwelt unternehmen muss. Mittlerweile ist aus der Petition ein handfester Umweltschutz-Gesetzesentwurf geworden.

Anlass für das Volksbegehren waren wissenschaftliche Veröffentlichungen über ein weltweites Insektensterben: So berichtete etwa die Süddeutsche Zeitung im Februar über ein Forscherteam um den australischen Ökologen Francisco Sánchez-Bayo vom Sydney Institute of Agriculture. Er hat in einer Meta-Studie, mit insgesamt 73 ausgewerteten Studien, herausgefunden, dass fast die Hälfte aller Insektenarten stark zurück gehe. Besonders dramatisch sei das bei Schmetterlingen, Bienen und Wespen. Wichtigster Grund dafür: der massive Rückgang von Lebensraum, hauptsächlich durch intensive Landwirtschaft oder den Bau von Städten und Straßen. Das Probelm: Über die Hälfte der Menschheit lebt mittlerweile in urbanen Gebieten. Tendenz steigend.

20 Stunden Betreuung pro Jahr für 15 Kilo Honig

Genau an dieser Stelle packt Johannes Weber aus Berlin mit seiner kleinen Tierschutz-Initiative an. Er steht dem gemeinnützigen Verein „Stadtbienen“ vor, der Honig- und Wildbienen im städtischen Raum schützen will. Dazu gehört es einerseits, über den Nutzen von Bienen zu informieren und Menschen für die ökologische Leistung der Brummer und Summer zu sensibilisieren: Denn ein Drittel aller Nahrungsmittel wächst nur, wenn es bestäubt wird. Und das kann kein Tier so gut wie die Biene.

Andererseits hat Weber mit der „BienenBox“ eine Erfindung ausgetüftelt, die es jeder Städterin und jedem Städter mit Balkon oder Garten erlaubt, selbst auf engstem Raum zur Imkerin oder zum Imker zu werden. Und einem Bienenvolk gleichzeitig ein wenig städtischen Lebensraum zu erschließen. Die BienenBox ist ein simpler Holzkasten, ein Meter breit und 40 Zentimeter hoch. Er kann auf den Boden gestellt oder am Balkongeländer befestigt werden. Darin sind kleine herausnehmbare Rahmen angebracht, in die Bienen ihre Honigwaben bauen können. Weber verspricht, dass bei einem „Betreuungsaufwand“ von 20 Stunden im Jahr bis zu 15 Kilogramm Honig geerntet werden können.

Besser die Nachbarn und Vermieter mit ins Boot holen

Aber ist das überhaupt erlaubt? Ja – der Erfinder schreibt, dass es rechtlich kein Problem sei, überall dort Bienen zu halten, wo auch Haustiere, Hunde und Tauben etwa, erlaubt seien. Wo es der städtische Bebauungsplan nicht verbiete, dürfe auch geimkert werden. Dennoch, aus Rücksicht und Fairnessgründen, sollten Vermieter und Nachbarn zumindest in Kenntnis gesetzt – besser noch, mit Wissen und Aufklärungsarbeit ins Boot geholt werden.

Weber selbst betreute ganz am Anfang, ausschließlich zum privaten Vergnügen, ein Bienenvolk auf dem Dachgarten seines Nachbarhauses. Doch der Dachgarten schloss – Weber musste notgedrungen eine neue Behausung für seine Bienen suchen. Also begann er zu experimentieren. Das mündete in einer Crowdfunding-Kampagne im Jahr 2014, die erfolgreich zuende ging und die BienenBox in ihrer ersten Version hervorbrachte. Mittlerweile vertreibt er und sein Verein nicht nur die BienenBox zum Heim-Imkern, er bietet auch Kurse in 28 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz an. Diese reichen von Schnupperangeboten, über ökologisches Imkern bis hin zu Vertiefungsseminaren zum Thema Schädlingsbekämpfung.