Neue Arzneimittelstudie: Forscher können vielleicht bald den Alterungsprozess stoppen

Laut einer neuen Studie konnte eine medikamentöse Behandlung den Alterungsprozess um durchschnittlich zwei Jahre nach hinten verschieben. (Foto: Getty Images)

Es gibt unzählige Cremes und Serums, die versprechen, die Uhr der Zeit zurückzudrehen. Aber nun haben Forscher mit einer Kombination aus Medikamenten und Wachstumshormonen vielleicht das Geheimnis entdeckt, wie man das biologische Alter eines Menschen tatsächlich zurückdrehen kann.

Obwohl die Behandlung äußerlich nicht unbedingt eine Wunderwirkung zeigen wird, hat sie dennoch das Potential, ein längeres und gesünderes Leben zu ermöglichen.

In einer sehr kleinen Studie, die in der Zeitschrift Aging CelI veröffentlicht wurde, suchten Forscher nach Wegen, um das biologische Altern von Menschen (auch bekannt als epigenetische Erscheinung) zu verlangsamen oder rückgängig zu machen. Anders als das chronologische Alter, das ganz einfach die Jahre bezeichnet, die man bereits gelebt hat, wird das biologische Alter durch eine Reihe von Faktoren beeinflusst. Hierzu gehören genetische Veranlagung, Ernährung, Sport, gesundheitliche Probleme, Stress und Schlaf. Man kann zum Beispiel mit 45 Jahren chronologisch alt sein, aber dennoch das biologische Alter eines viel jüngeren Menschen haben – oder eines älteren. Das hängt sowohl von denen Genen, als auch davon ab, wie gesund man lebt.

Für die Studie gaben die Forscher neun gesunden Männern im Alter zwischen 51 bis 65 Jahren eine Kombination aus Wachstumshormonen und zwei bekannten Medikamenten, die auch gegen Diabetes eingesetzt werden (darunter Metformin). Damit sollte dem Diabetes-Risiko entgegengewirkt werden, das durch Wachstumshormone steigt. Das Ziel war, den im Alter normalen Abbau des Immunsystems zu verhindern oder rückgängig zu machen.

Die Behandlung zielte auf die Thymusdrüse ab, die als „übersehenes, aber sehr wichtiges Organ“ bezeichnet wird. Sie spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Immunsystems, zum Beispiel bei der Entstehung von T-Zellen. Mit zunehmendem Alter fängt die Thymusdrüse allerdings langsam an, sich zu verkleinern und wird durch Fett ersetzt. Im Alter von 75 Jahren hat sich die Drüse mehr oder weniger in Fettgewebe verwandelt.

Blutuntersuchungen und MRT-Aufnahmen zeigten, dass sich das Thymusgewebe durch die Behandlung regenerierte und so die biologische Uhr der Patienten um durchschnittlich 2,5 Jahre zurückdrehte. Die Behandlung half außerdem, das Immunsystem der meisten Patienten zu verjüngen.

Die verjüngende Wirkung hielt auch noch mehrere Monate nach Ende der Behandlung an.

Selbst die Forscher waren überrascht von den Ergebnissen. „Ich hatte erwartet, dass man den Altersprozess ein wenig verlangsamen kann, aber nicht ein vollständiges Zurückdrehen der Uhr“, erzählte Dr. Steve Horvarth gegenüber Nature. Er ist einer der Autoren der Studie und Professor für Humangenetik und Biostatistik an der UCLA. „Es war ein nahezu futuristisches Gefühl.“

Allerdings handelt es sich bisher nur um eine vorläufige Studie und intensivere Forschung mit einer größeren Teilnehmergruppe ist notwendig. „Vielleicht gibt es wirklich eine Wirkung“, sagte Dr. Wolfgang Wagner, MD, Zellbiologe an der Universität Aachen in Deutschland gegenüber Nature . „Aber die Ergebnisse sind noch nicht abschließend, denn die Studie war sehr klein und nicht gut kontrolliert."

Dennoch sagte Dr. Sam Palmer, Krebs-Immunologe an der Heriot-Watt Universität in Edinburgh, Schottland, gegenüber Nature , dass die Studie „großes Potential nicht nur für Infektionskrankheiten, sondern auch für Krebs und den allgemeinen Alterungsprozess hat.“

Rachel Grumman Bender